Fundsache: Albireo K3II-B8Ve

Albireo (Beta Cygni) steht zur Zeit hoch über unseren Köpfen wenn es endlich dunkel wird. Er gilt zurecht als einer der schönsten Doppelsterne am ganzen Himmel. Dank des großen gegenseitigen Abstands von 34″, kann man kann ihn mit jedem Fernrohr trennen. Nicht so bekannt ist, daß auch sein Spektrum zu den schönsten Sternspektren gehört …

Albireo im größeren Fernrohr.
Albireo, 16" RC, Nikon D800, 120s, ISO200
Albireo, 16″ RC, Nikon D800, 120s, ISO200

So ein Spektrum ist mir kürzlich beim Aufräumen einer Festplatte in die Hände gefallen. Ich hab es vor langer Zeit, am 18.7.2007 gemacht. Es hat mich damals schon begeistert.

Spektrum von Albireo A/B im Bereich der roten Wasserstofflinie (H-alpha).
Spektrum von Albireo A/B im Bereich der roten Wasserstofflinie (H-alpha).

In der Spektralsequenz (O-B-A-F-G-K-M), die ja u.a. der Oberflächen-temperatur von 30000K – 2000K entspricht, zeigen die Sterne von F abwärts eine zunehmende Anzahl an schwarzen Fraunhoferlinien (Absorption durch Metalle).

Die hellere, gelbe Komponente, Albireo A, hat den Spektraltyp K3II. Wir haben es mit einem hellen Riesenstern zu tun, dafür steht die Leuchtkraftklasse II. Mit ca. 4700K ist er etwa 1000K kühler (K3) als die Sonne (G2V, V=Zwerg=normaler Hauptreihenstern). Schwer ist er nicht, die Masse ist nur 0.8 mal die der Sonne. Er hat aber schon die langanhaltende Phase des Wasserstoffbrennens (Hauptreihe im HRD) verlassen und ist auf dem Weg zum Roten Riesen  (Riesenast im HRD).

Der Begleiter gehört zu den heißen B-Sternen (B8Ve c.a. 12000K). Hier findet man hauptsächlich die Linien des Wassertoffs. Bei den Be-Sternen sind diese in Emmision zu sehen, das „e“ steht für Emission (heller als das Kontinuum). Solche Sterne rotieren hundertmal schneller als die Sonne, die Fliehkäfte am Äquator des Sterns und zusätzliche Schwingungen sorgen für einen Massenverlust. Die verlorengegangene Materie sammelt sich in einer rotierenden Scheibe von hell leuchtendem Gas. Wenn dabei dabei die Rotationskomponente auf uns gerichtet ist wird die Emissionslinie blauverschoben, ist sie von uns weggerichtet, so beobachtet man eine Rotverschiebung. Äußere Bereiche der Scheibe rotieren nicht so schell wie die Inneren, somit erhalten wir nicht zwei scharfe Linien, sondern etwas verschierte Profile. Diesen Sachverhalt  (Doppler-Effekt) erkennt man sofort im obigen Spektrum an dem dunkleren Einschnitt.

Neuere Messungen haben gezeigt, daß Albireo gar kein physikalischer Doppelstern ist, sondern nur zwei Sterne zufällig in derselben Richtung liegen. Egal, schön anzusehen bleibt er.

Interessant zu wissen: Etliche Be-Sterne findet man in den Plejaden.