XMMU J1229+0151 – Galaxiencluster bei z=1

Als ich kürzlich Bilder vom Jet des Quasars 3C273 suchte, hab ich im Archiv des Hubble-Space-Telescope nachgesehen und dabei eine interessante Entdeckung gemacht. Einige Bilder vom 2.2.2006 waren als NEWCLUSTER betitelt und tatsächlich zeigten sie nicht den Quasar sondern einen entfernten Galaxienhaufen. Mein besonderes Interesse erwachte, als ich den Namen des Beobachters las. PI war Saul Perlmutter, dem Mann, der vor 20 Jahren die Dunkle Energie in der Kosmologie etablierte.

Mit der wiederholten Beobachtung solch entfernter Galaxienhaufen konnte er genügend Supernovae vom Typ Ia finden, und bei den folgenden Untersuchungen zeigen, dass die Expansion des Universums heute beschleunigt abläuft. Zusammen mit seinen Konkurrenten, Brian P. Schmidt und Adam Riess bekam er dafür 2011 den Nobelpreis für Physik.

Ok, z=1 ist noch ein bischen weiter als die bis Ende der 90ger gefundenen Exemplare … aber die Idee mal sofort die eigene Aufnahmen im Umfeld des Quasars nach dem Galaxienhaufen zu durchforsten war da. Das Feld der neuen Kamera sollte groß genug sein.

Auf späteren Aufnamen heißt der Haufen XMMU J1229+0151, da er auch  mit dem Röntgenteleskop XMM-Newton gefunden wurde. Das  folgende Bild zeigt oben rechts des Quasar, links, etwas unterhalb der Mitte das fünfeckige Feld das den Galaxienhaufen enthält.

Etliche Galaxien aus XMMU_J1229 und ihre Rotverschiebung sind im folgenden Bild aus dem SDSS markiert (Feld 45 Grad gegen den Uhrzeiger verdreht). Wir sehen sie, wie vermutet, bei einer Rotverschiebung von ca. 1

Hier das schönste HST-Bild, das ich fand

Tiefe Aufnahme des Clusters XMM1229 mit dem HST
Tiefe Aufnahme des Clusters XMM1229 mit dem HST

Hier werden Daten aus diesen Beobachtungen in Tabelle 1 verwendet.

Ein Vergleich mit meiner eigenen Aufnahme führt zu dem Ergebnis: Nix zu sehen von XMMU J1229! Wäre ja auch zu schön gewesen, Galaxien zu fotografieren, deren Licht so lange zu uns unterwegs war, wie das Universum brauchte um sich auf die doppelte Größe aufzublähen!

(Anmerkung: Genau aus diesem Grund sieht man sie auch nicht. Normale Galaxien zeigen im Blauen, unterhalb von 4000 Angström, einen starken Intensitätsabfall. Bei z=1 werden daraus “unterhalb von 8000 Angström”.
Meine Kamera sieht aber nur bis ca. 6500 A, im Gegensatz zur SDSS-Kamera, die auch im Infraroten empfindlich ist. )

Doch halt! Was ist mit den etwas heller erscheinenden Galaxien rechts im HST-Bild. Die scheinen heller zu sein. Um Klarheit zu gewinnen hab ich ein anderes Hubble-Bild verkleinert, in der Schärfe reduziert und es dann meinem Bild überlagert.

Ja, tatsächlich kann man hier die helleren Galaxien sehen. Eine von den schwächsten hab ich mal markiert. Es ist sdss_j122924.95+015145.2 mit immerhin mag 22.2. (Wenn bei dem Bild nichts blinkt, muß man die Seite nochmals laden.)

sdss_j122924.95+015145.2
sdss_j122924.95+015145.2

Unter der Annahme, daß Supernovae oft so hell wie eine ganze Galaxie leuchten, könnte ich mit etwas Glück auch solche Explosionen in kosmologischen Distanzen fotografieren und über kurze Zeit fotometrieren (?), wie dieses Hubble-Diagramm und dieses Bild ermutigend zeigen.

Es müßte nur das Wetter mitspielen!!!

Zum Weiterlesen:

BzK galaxy

Lyman-Break-Technik

Discovery of a Supernova Explosion at Half the Age of the Universe and its Cosmological Implications